Liebe und Respekt

  • Ich habe den Eindruck, dass der Autor, weil er ein Mann ist, sich davor scheut, sich in Frauenkreisen unbeliebt zu machen.

    Es geht ja in dem Buch darum , dass ein Mann Respekt möchte und eine Frau Liebe. Und dass die Bibel davon redet, dass jeder der Partner dem anderen sein Bedürfnis bedingungslos erfüllt.

    Soweit, so richtig - das bedingungslos- , aber ich habe des Öfteren den Eindruck, dass es im Buch etwas vorsichtig relativiert wird. A la: "Ja, die Bibel spricht schon von der Unterordnung, und das ist auch nicht kulturell sondern heute noch gültig, aber Unterordnen bedeutet ja nicht irgendwie unterstellt zu sein."

    Meines Erachtens bedeutet es aber genau das. Nicht im Wert, klar, aber in einer Hierarchie der Verantwortung.

    Wir haben als Menschen eigentlich nur ein Recht, und dass ist unser Recht auf ewige Verdammnis. Dass Gott an uns dieses Recht nicht ausübt, sondern an seinem Sohn, und dass wir begnadigt sind, heisst für mich nicht, dass ich noch irgendwo anders auf mein Recht pochen sollte.

    Natürlich tue ich das in meinem Leben, weil ich Sünderin bin, aber es ist nicht richtig.

    Der Autor im Buch schreibt das gewissermassen auch so, aber zwischen den Zeilen lese ich es anders.

    Z.B. das Bedürfnis Frau, dass der Mann den Hochzeitstag nicht vergisst und ihr etwas schenkt. Oder dass er ihr im Haus hilft. Ja, das ist schön, das ist toll, mein Mann hilft mir auch durchaus einmal, und ich bin froh darum.

    Aber den Schluss daraus zu ziehen, dass das die Liebe ist, die ich bekommen möchte, zu der ich meinen Mann durch Respekt-zeigen bringen kann, find ich fatal.

    Die Frau muss den Mann achten als den Herrn. Nicht, weil sie dadurch Liebe oder Hilfe bekommt. Er MUSS ihr nicht helfen und nichts schenken.

    Es ist nun so, dass ich das als Frau lese. Wenn ein Mann das Buch liest, oder ich aus Männersicht argumentieren würde, dann natürlich anders rum. Dann müsste es heissen: Du MUSST deine Frau lieben, weil es der Herr befiehlt, egal ob sie dich achtet.

    In dem Moment, wo in einem Text beide Seiten beschrieben werden, aber nicht an jeden einzeln als Befehl, sondern im Konzept als Buch für beide Parteien, ist meines Erachtens schon der Wurm drin. Der Eine wird immer auch auf den Zuständigkeitsbereich des Anderen schauen, und da hört die Bedingungslosigkeit auf.


    Bedingungslos heisst für mich: Wenn ein Ehepaar in einem Kriegszustand lebt, weil die Frau sich nicht unterordnet und den Mann nicht achtet, und der Mann seiner Frau die Liebe nicht zeigt, dann gibt es den Waffenstillstand erst, wenn die Frau bedingungslos kapituliert. Ich finde den Schlüssel bei der Frau. Die Frau hat eine Verheissung, dass sie den Mann gewinnen kann, wenn sie ihm ohne Worte im Wandel untergeordnet den Herrn vorlebt.

    Der Mann hat diese Verheissung nicht, für ihn ist es eine Plage ohne Ausweg ( oder nur unters tropfende Dach), wenn die Frau zänkisch ist und "Frass in seinem Gebein".

    Gott wird für die Frau kämpfen, wenn sie ihm gehorcht. Der Mann hat seine Autorität ja sowieso schöpfungsgemäss geschenkt bekommen.

    Wenn also in der Ehe gekämpft wird, muss die Frau abgeben. Wie wenn zwei Wölfe kämpfen und einer aufgibt, so muss sie ihm die Kehle hinstrecken, quasi. Egal, ob er das dann missbraucht und ein Chauvi wird.

    Dann wird sich der Herr kümmern, denn der Mann missbraucht dann Gottes gegebene Autorität.

    Das kommt in dem Buch nicht heraus, sondern es liest sich wie ein Einknicken an Feministinnen.


    Er schreibt z. B., dass die Frau zugeben soll, dass der Mann 51 % der Verantwortung trägt. Das ist nicht bedingungslos, das ist Verhandeln und Feilschen. Die Bibel schreibt, dass die Sünde durch Adam in die Welt kam, nicht durch Eva; obwohl beide gegessen haben, und SIE angefangen hat. Das zeigt uns, dass die Verantwortung ganz beim Mann liegt.


    Mit Sara sollen wir es halten: Den Mann ganz und gar ehren, achten, unterordenen aufgrund seiner STELLUNG, nicht seines Charakters, und Gott kümmert sich um den Rest: er macht den Pharao klar, nicht Sara!


    Ich habe gemerkt, dass ich heute morgen, nach der nächtlichen Lektüre des Buches- meinem Mann gleich mal beleidigt war, weil er meines Erachtens seine Liebe nicht gut genug bezeugt hat. Das mach ich sonst eigentlich nicht, meine Art zu sündigen oder zu kritisieren ist normalerweise anders gelagert.

    Interessant, dass das Buch mich auf diese Emotion bringt....

  • Hm, scheinbar hat das Buch eine feministische Prägung - schade, dass so viele Christen (in meiner Umgebung jedenfalls) es so unbedacht lesen - wobei mir grade auffällt, dass das vornehmlich Christinnen sind:(...

    Wenn ich deine letzte Bemerkung richtig verstanden habe, hatte dieses Buch ja einen schlechten Einfluss auf dich/dein Verhalten. Daran kann man (meiner Meinung nach) sehr gut erkennen, wes Geistes Kind dieses Buch ist. Es gibt einen schlauen Spruch (bekomme ihn grade leider nicht ganz zusammen), der besagt, dass nur das wirklich gut ist, was einen guten Einfluss auf den Leser/Hörer/Zuschauer hat.


    Was aber (meiner Meinung nach) wirklich gut ist und genau das ausdrückt, was du beschrieben hast, ist der Film "Fireproof" und das Buch dazu "Liebe braucht Helden". Dort kommt die Bedingungslosigkeit, die die Voraussetzung für echte Liebe ist, wirklich gut zum Ausdruck.

  • Ich muss mal meine Aussagen ein bisschen relativieren, damit ich das Buch nicht total in den Dreck ziehe:


    Die grundsätzliche Aussage ist wirklich gut und wahr, das mit der Achtung, die der Mann braucht, und die ihm laut Bibel gebührt. Ich finde nur permanent zwischen den Zeilen ein Ducken und Rumeiern, nichts generell total Falsches. Ich kann nachvollziehen, warum einige Christen und auch vor allem Christinnen davon schwärmen und es ihnen in Eheproblemen hilft.

    Wenn man von der weltlichen oder feministischen Sicht herkommt, ist es wahrscheinlich revolutionär und auch Anstoss genug ( dass überhaupt Mann- und Frauenrolle so expizit unterschiedlich festgeschrieben werden).

    Aber, und für mich ist das ein grosses Aber: In dem Moment, wo ein Christ grundsätzlich sich ganz dem Worte Gottes unterordnen möchte und sich von moderner Weltanschauung ganz abkehren will, in dem Moment geht es nicht weit genug.


    Meine Ehe war früher mal desaströs -ich habe das ja schon erwähnt, aber ich wiederhole es des Zusammenhangs wegen: Die Ehe war aus verschiedenen Gründen desaströs, und natürlich habe ich einen fehlerhaften Mann geheiratet, keinen sündlosen Mr. Perfect. Aber ein RIESENanteil war, dass ich ihn verachtete. Ich wusste ja nichts von biblischen Werten, ich bin einfach so aufgewachsen, dass "frau" am Mann rumnörgeln darf und sich selbst verwirklicht.


    Mein Aha-Erlebnis kam durch ein viel radikaleres Buch als "Liebe und Respekt", wie ein Schlag ins Gesicht und extrem heilsam. In jenem Buch wird nicht um den Brei geeiert, sondern zackzack politisch unkorrekt die Wahrheit gesagt - von einer FRAU. Die muss keine Angst haben, so wie der Autor als Mann evtl. hat.

    Mein Kapieren machte den Weg frei für Gott, Wunder zu wirken.

    Weil ich dieses eigene Erlebnis habe, bin ich so vehement gegen das "vorsichtige", weil es sich so wahnsinnig nahe an der Unwahrheit und damit auch Unwirksamkeit bewegt.


    Als Anfang zum Umdenken mag es für etwas empfindlichere Gemüter wie ich eines bin, vielleicht sogar genügen.


    Fire Proof hat mir im Übrigen auch sehr gefallen. Es ist zwar schon eine Weile her, wo ich den Film gesehen habe, deshalb trau ich mir kein absolutes Urteil mehr zu über die Jahre, aber ich kann mich grad an keinen "Fehler" erinnern.

    Aber dadurch, dass es ein Film ist, kann man die Story gemütlich neben einer Packung Chips verknuspern, und muss sich nichts Heftiges oder Schmerzhaftes in Bezug auf das eigene Eheverhalten gefallen lassen, wie es in einem Sachbuch bzw. Ratgeber der Fall ist. Das ist die Crux an der Sache, glaub ich.

  • Nachtrag: mir war vorhin eine unfertige Formulierung im Hinterkopf, die ich nicht richtig raus bekam:


    Das Buch ist gut für einen Mann, der etwas unsensibel und phantasielos ist in Bezug darauf, wie er seiner Frau seine Liebe offen eigen könnte.

    Das Buch ist giftig für eine Frau, die eigentlich eh schon relativ lieb und nett ist, und damit ihrem Mann "helfen" möchte, alles besser zu machen.

  • Aber dadurch, dass es ein Film ist, kann man die Story gemütlich neben einer Packung Chips verknuspern, und muss sich nichts Heftiges oder Schmerzhaftes in Bezug auf das eigene Eheverhalten gefallen lassen, wie es in einem Sachbuch bzw. Ratgeber der Fall ist. Das ist die Crux an der Sache, glaub ich.

    Deswegen haben die Macher von Fireproof noch das Buch "Liebe braucht Helden" dazu geschrieben - exakt die gleiche Handlung mit ein paar mehr Details auf beiden Seiten. Zwar ist das auch in Romanform und nicht als Ratgeber geschrieben, aber meine größten persönlichen Aha-Effekte hatte ich bisher immer durch Geschichten - wahre oder erfundene - und nicht durch direkte Belehrungen. Aber ich schätze, das ist auch Typspezifisch...


    Zu deiner 'Relativierung';): Ich bin jemand, der gern eindeutig Stellung bezieht (allerdings nicht unkorrigierbar). Ich habe schon so manchen Menschen, der mich als eher schweigsam, zurückhaltend und sanft kennen gelernt hat, schockiert mit direkten und klaren Aussagen zu allen Themen, in denen man meiner Meinung nach eindeutig Stellung beziehen muss.

    Natürlich kann ich das jetzt nicht so richtig beurteilen, wie das bei diesem Buch ist, weil ich es nicht gelesen habe, aber generell kann ich so Aussagen nach dem Prinzip "Die grundsätzliche Aussage ist gut und wahr", die sowohl vom 'Mainstream' wie auch von bibeltreuen Christen bestätigt werden können, weil sie immer wischi-waschi bleiben, nicht ausstehen - da lese/höre ich lieber Leute, die ganz klar falsch liegen, aber die nicht um den heißen Brei rumeiern und die keine Angst vor der Reaktion auf ihre Meinung haben. Denn mit diesen Leuten kann man wenigstens diskutieren und das sind auch meistens die, die sich am ehesten korrigieren lassen.

  • Ich habe eine Freundin, die sagt es wie du: sie lernt besser aus Erzählungen ls aus direkter Belehrung.

    Das ist sicher Typsache, ich denke aber, dass es in beiden Fällen das Lernenwollen ist.

    Beim Film kann ich sagen: " Nette Unterhaltung" oder " da kann ich was rausziehen" und beim Sachbuch kann ich eine Antwort auf eine Frage suchen und annehmen, oder ich kann mich ärgern nd sagen "alles falsch erklärt".


    Wenn ich dem Autor in einem Gespräch gegenüber sitzen würde, würde ich sicher nicht relativieren, sondern in die Diskussion gehen mit meinem Standpunkt.


    Bei einer Buchrezension versuch ich, aus verschiedenen Blickwinkeln zu beurteilen; u.a. wirklich auch, ob ich das Buch Ungläubigen geben kann.

    Deshalb schreib ich da etwas behutsamer, weil es ja keine scharf zu verurteilende Falschlehre enthält, und das wischiwaschi für sehr fern Stehende evtl taugen könnte.