Bibelübersetzung für Sinti und Roma

  • Es ist schon verwunderlich, dass die Sinti noch keine vollständige Bibelübersetzung haben, obwohl sie mitten in Europa wohnen. Doch es gibt ein Projekt, dass die Bibel in ihre Sprache übersetzt:


    Zitat

    Vor fast 30 Jahren begann ein Sinto mit der Übersetzung des Markus-Evangeliums. Seine Motivation beschreibt er so: „Einmal las ich etwas in der deutschen Bibel und dachte, das müsste man irgendwie in unserer Sprache sagen können. Wenn ich diese Wahrheiten auf Romanes sagen könnte, dann würde mein Volk das besser verstehen.“ Aus der Initiative eines Einzelnen, ist inzwischen die Arbeit eines bunten Teams aus Sinti und Deutschen entstanden.


    Mehr dazu unter: http://www.romanes-arbeit-marburg.de

    Der HERR der Heerscharen ist mit uns; der Gott Jakobs ist unsere sichere Burg! (Psalm 46,8)

  • Interessant,

    allerdings gäbe es dazu einige Anmerkungen zu machen. DAS Romani gibt es nicht, es existieren eine Vielzahl von Dialekten, die von den jeweiligen Sprachen der Länder in denen Ansässige dieser Völker lebten, beeinflußt wurden.

    Romani ist eine Sprech- und keine Schriftsprache und es gibt beispielsweise von der Sinti-Allianz das Bestreben, dies auch beizubehalten. Die Einordung und Anerkennung als Minderheitensprache wird von ihnen abgelehnt, da sie ihre Sprache, die sie als etwas Besonderes ansehen und es durchaus auch Bestrebungen gab und aktuell gibt, diese Sprache Außenstehenden nicht zugänglich zu machen, hüten und nicht zu einem Forschungsobjekt machen lassen wollen.

    Diese Einstellung ist im Grunde nicht nur bei den Sinti aktuell, sondern eigentlich durchgängig zu beobachten und könnte sich auf die Annahme bzw. Ablehnung einer solchen Bibel auswirken.


    Angehörige dieser Völker, ich nenne sie mal so, weil sie sich selber als eigenständige Identitäten wahrnehmen und inbesondere die Sinti-Allianz sich nicht unter dem Begriff 'Sinti und Roma' vereinnahmen lassen will, habe ich als sehr gläubig erlebt, allerdings auch geprägt von einem großen Aberglauben. Nichtsdestotrotz sind sie gegenüber dem Glauben an Gott sehr aufgeschlossen, andererseits aber sehr in ihren Traditionen verhaftet, was möglicherweise Auswirkungen auf den Glauben hat.


    Die Bibel war für Angehörige dieser Völker (meine Mutter gehört beispielsweise auch dazu) bisher über die Sprachen der Länder zugänglich, in denen sie lebten oder leben. Allerdings habe ich öfter festgestellt, das besonders die älteren Generationen gar nicht lesen konnten. So nahmen sie zum Beispiel eine Sveto Pismo gerne an, brachte ihnen aber keinen Nutzen. Dies Problem ist natürlich in Ost-und Südeuropa wesentlich größer als bei uns, wo die jüngeren Generationen längst eine Schulbildung genossen haben.


    Kurz und knapp, mich verwundert es weniger, dass eine Bibel in Romani bisher nicht gab oder keine Verbreitung gefunden hat, insofern ist ein solches Bestreben zu begrüßen, wenn es auch hier und da inneren oder auch geäußerten Widerstand geben mag. Eine ganz andere Frage ist natürlich die nach der Qualität einer solchen Übersetzung. Kann ein standardisiertes Romani, deren Schriftform ja erst entwickelt wird, die Aussagen korrekt und eindeutig wiedergeben? Eine nicht unwichtige Überlegung, wie ich meine.